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Gottes Ehre 

Es traf mich unerwartet und wie ein Peitschenschlag, als ich die Nachricht aus Ocean View* bekam, dass Ibrahim** erstochen wurde und schwerverletzt im Krankenhaus liegt. Ibrahim ist einer „unserer“ Jungs und erst 19 Jahre alt. Ein Junge, den wir nach langem Begleiten und Ermutigen, erst kürzlich erfolgreich ins College zurück gebracht hatten und der sich entschieden hatte, sein Leben mit neuer Hoffnung zu leben. Er war ein frisch gebackener Vater eines 3-monatigen Jungen - ein junger Mann der sehr offen und suchend war um Jesus kennen zu lernen.

 

Stunden der Ungewissheit starteten, als wir mit der Familie und engen Freunden zum Spital fuhren um ihn zu besuchen. In uns auch die Hoffnung und Gewissheit, dass Gott heilt und ein Wunder tun kann, um sich selbst durch dieses Leben zu verherrlichen. Wir haben schon viele male Heilung erlebt und kennen die Auferstehungskraft unseres wunderbaren Gottes!

Der Anblick war trostlos und die Ärzte gaben ihm nicht viel Hoffnung. Doppelstichwunde im Kopf, inklusive inneren Blutungen. Wir beteten, beteten und beteten. Die ganze moslemische Familie wusste, dass wir beteten – und dass wir Hoffnung auf eine Heilung hatten – da wir an den Gott glauben der von den Toten auferstanden ist!

 

Doch dann kam sie – nicht die Heilung, sondern die Hiobsbotschaft dass er gestorben war.

Einmal mehr hatte die Gewalt in Ocean View ihren Tribut gefordert. Schon 27 Morde in den letzten drei Monaten. Obwohl wir tagtäglich mit der Gewalt konfrontiert sind, trifft es einem unerwartet wenn jemand betroffen ist der dir lieb und teuer ist.

 

Es fühlte sich an wie ein weiterer Peitschenschlag! Wir konnten es nicht glauben – dieser Tod fühlte sich so sinnlos an – und wir hatten so viel Glaube und Hoffnung auf Gott gesetzt, dass er ihn heilen würde und dass all die Menschen um ihn herum, Gott in Aktion erleben und ihn annehmen würden!  

Wir standen am Totenbett im Spital, umringt von seinen Geschwistern und ich, mein Mann und ein weiteres Teammitglied beteten für den Jungen um Auferstehung von den Toten! Ja, Gott kann dies tun und ich möchte es nicht missen, ein Teil von einer Totenauferstehung zu sein, wenn Gott sich verherrlichen will! Wir beteten, hofften und glaubten  – doch er kam nicht zurück.

 

Was zurück blieb, waren viele Fragen - und ich war frustriert! Ich dachte: „Gott warum? Du hast wirklich eine Chance verpasst dich zu zeigen und dich zu verherrlichen! Was denkt diese Familie nun über dich? Du bist doch allmächtig und kannst dich ihnen zeigen?“ Dies waren meine ehrlichen Gefühle - die ich mit Gott selbst reflektieren und diskutieren wollte.

 

Wir erlebten eine tiefe Trauer über den Verlust des jungen Mannes, die wir selbst auch verarbeiten mussten. Zudem war da seine Familie, seine Geschwister und seine Freunde, die am Boden zerstört waren und den Verlust sehr intensiv erlebten. Wir begleiteten sie so gut es ging, halfen in den Beerdigungsvorbereitungen und mit dem ganzen Papierkram der Mordanzeige bei der Polizei. Wir erlebten offene Türen in ihren Leben wie noch nie zuvor. Wir realisierten, dass wir für sie Familie sind und ihr Vertrauen so gross ist, dass sie uns in alles einbezogen was getan werden musste, um diesem jungen Mann die letzte Ehre zu erweisen. 

 

Uns wurde einmal mehr bewusst, dass wir in zwei Welten leben. Schmerz und Tod ist genauso eine Realität wie Heilung und Befreiung! Hatten wir einen Kampf gegen Satan verloren als Ibrahim* gestorben war, oder war es ein Teil von Gottes souveränen Plan ihn gehen zu lassen, damit Grösseres geschehen kann?

Verschiedene Theologien wurden an uns herangetragen; Von Satan hat den Kampf um Ibrahims Leben gewonnen, oder wir glaubten einfach nicht genug, dass er geheilt wurde, oder Gott ist souverän und macht sowieso was er will.

Mir wurde Psalm 46, 10 wichtig „Seid stille und erkennet, daß ich GOTT bin. Ich will Ehre einlegen unter den Heiden; ich will Ehre einlegen auf Erden.“

 

Gott in der Stille zu begegnen, obwohl die unbeantworteten Fragen um mich herum wie ein Sturm toben, ist gar nicht so einfach und erfordert Mut.

 

Gott in der Stille zu begegnen, obwohl die unbeantworteten Fragen um mich herum wie ein Sturm toben, ist gar nicht so einfach und erfordert Mut. Es ist einfacher nach Lösungen zu suchen und sich für eine der theologischen Überzeugungen zu entscheiden und die Situation damit zu erklären. Doch Gott zeigte mir in der Stille meines Herzens (dazu beschenkte er mich mit einer schlaflosen Nacht), dass er Gott ist und er sich die Ehre verschafft die er haben will. In diesem Moment realisierte ich, dass wir alles getan hatten was wir konnten, um Gott Ehre zu geben, doch sein Weg Ehre zu bekommen, unterschied sich von unseren Erwartungen an ihn. Gott zeigte mir auf, dass ich die Situation nicht erklären muss und dass wir auch keine Schlacht verloren hatten. Gott selbst will die Verantwortung übernehmen, seine Ehre in dieser Welt und dieser Situation herzustellen.

 

Er ist Gott – ob er heilt, jemand von den Toten auferstehen lässt, den Tod zulässt oder mich mit meinen unbeantworteten Fragen zurück lässt.

Wenn ihm alles möglich ist weil er Gott ist, dann möchte ich das von ihm erwarten was ihm Ehre bringt. Wie er sich die Ehre verschafft, ist vielleicht nicht meine Lieblingsvariante, ich sehe auch nicht das ganze Bild das er kreiert - doch er ist und bleibt dabei gut!

 

Diese Erkenntnis gab mir eine neue Perspektive und ein tiefes Verlangen, das Potenzial für den versteckten Schatz seiner Ehre, aus diesem Schicksalsschlag auszugraben. Manchmal gehen unsere Pläne, wie wir beten und was wir von Gott erwarten oder wie wir ihn ehren wollen, nicht auf – und doch ist und bleibt er Gott - und gut!

 

*Ocean View ist das Township in dem wir uns investieren und mit den Menschen Leben teilen 

** Ibrahims Name wurde geändert

 

Mail an Doris Lindsay 

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