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Gedanken von Frauen die leiten

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Hätte ich mich vor 5 Jahren nicht getrennt, so wäre heute wieder mal alles eskaliert und ich hätte ordentlich Prügel bekommen. Ich bin jedoch ausgestiegen, als die kahlen Stellen im Haar noch verdeckt waren von den vielen anderen Haaren, wo die Wunde im Gesicht noch wie ein arger Kratzer aussah, der auch mal verheilte. Monatelang hab ich die Narbe im Gesicht beobachtet. Wenn ich aufgeregt war oder Alkohol getrunken hatte, so leuchtete sie mich noch an, als das Leben längst weiter gegangen war.

Wann war ich nochmals ausgestiegen? Ach ja, das war, als es dann auch vor den Kindern eskalierte. Und zwar so, dass ich mich selber nicht mehr anlügen konnte. Eben, heute wär wieder so ein Tag gewesen. Ganz sicher. Wie weit es wohl heute gekommen wäre, wenn ich nicht ausgestiegen wäre? Ich kann es mir nicht ausmalen, mir wird gleich schlecht.

 

Die Gewalt ist ja nicht mal das Schlimmste. Nein, es ist die Würde, die du verlierst, in so einer Beziehung. Deine Selbstachtung, die dir abhanden kommt. Und irgendwann sitzt du da, ein Häufchen Elend, und erinnerst dich daran, dass du dich doch irgendwann in deinem Leben ganz toll fandest. Du erinnerst dich an die Zeit, als dich niemand Schlampe nannte, ganz sicher nicht die Person, mit der du jahrelang dein Bett geteilt hast. Du sehnst dich nach einem Daheim, hinter dessen verschlossenen Türen und zugezogenen Gardinen du nicht an die Wand geklatscht wirst, mit den Knien in die Beine getreten wirst, so beschimpft wirst, dass du dich gar nicht mehr an all die Schimpfworte erinnern willst und sie deshalb vergisst. Mitleid will und brauche ich nicht. Davon hab ich nicht gelebt. Ich hab das ja jahrelang aufgearbeitet. Diese Panik, den Schmerz, die Verletzungen.

 

Meine Geschichte ist mir zum Schatz geworden.

 

Meine Geschichte ist mir zum Schatz geworden. So absurd das klingen mag. Ich habe diesem Mann vergeben können. Und eines habe ich erkannt: Die Stelle, die Jesus erzählt: "Wenn dich einer auf die rechte Backe schlägt, so halte ihm auch die Linke hin" hat nichts mit sich verprügeln lassen zu tun. Zu dieser Zeit schlug man mit dem Handrücken der rechten Hand auf die rechte Wange. Nur Sklaven schlug man mit dem Handrücken. Auf deren rechte Backe. Gleichwertig anerkannte Menschen schlug man auf die linke Wange. Mit der rechten offenen Hand. Sich nicht auf die rechte Wange schlagen lassen, bedeutet somit, sich nicht wie ein Sklave behandeln lassen. Ich bin keine Schlampe. Mich schlägt man nicht. Versuchst du es, so ruf ich heute die Polizei. Ich verpetze dich. Deine Gewalt und deine Drohungen haben keine Kraft mehr in meinem Leben. Ich hab mich zwar mal für dich entschieden, doch entscheide ich mich heute, an diesem Tag, für meine Würde. Ich bin ich. Und ich hab meine Grenzen. Respektierst du die nicht, so akzeptiere ich dies nicht. So wie du muss ich nicht sein. Beschimpfst du mich, so behalte ich mein erlesenes fluchfreies Vokabular. Um deine Aggression entscheide ich mich neu für meinen Frieden. Ich bin stark, weil ich wie du nicht sein muss und auch nicht das bin was du von mir sagst oder denkst. Ich bin frei, in Liebe und Geborgenheit getränkt, von meinem Schöpfer als Prinzessin gemacht. Das ist meine Identität. Das begründet meine Würde. Eben, Mitleid will ich nicht. Denn ich habe einen Schatz, den mir niemand mehr wegnehmen kann. Ich habe meine Würde zurück. Mein Leben. Ich bin geliebt! 

 

Mail an Deborah Buehlmann 

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