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Der unverdiente Überfluss

 

Ich habe ein Konzept für Versorgung: Gott verspricht, dass er unser Versorger ist und dies habe ich selber immer wieder erlebt. Aber ich musste feststellen, dass ich kein Konzept für Überfluss habe. In meiner Vorstellung macht es keinen Sinn, dass ich von Gott Dinge erhalte, die ich nicht dringend brauche. Natürlich es ist nett und schön, aber: Andere könnten es doch noch viel mehr brauchen als ich!

 

Genau über diese Aussage habe ich mich im letzten halben Jahr regelmässig mit Gott unterhalten. Noch im August war es unklar wie ich finanziell überhaupt über die Runden kommen soll - zwei Wochen später hatte ich einen zweiten Job gefunden, der mir genügend Geld zum Leben gibt. An diesem Punkt war ich Gott bereits dankbar für seine Treue und Versorgung, aber irgendwie war es für Gott nicht genug. Es folgten Geschenke aller Art: Von anonymen Briefen mit Geld im Briefkasten, zu einem neuen Computer der plötzlich auf meinem Schreibtisch stand, von staatlichen Rückzahlungen, zu unerhofft günstigen Autoreparaturen, überraschenden Geschenken und Einladungen. Es wurde mir langsam etwas peinlich: Denn die Menge der Geschenke war viel mehr als das, was ich wirklich „brauchte“.  Als ich mal wieder so einen verdächtigen, anonymen Briefumschlag in den Händen hielt, spürte ich bereits etwas Unmut. Als sich dann bestätigte, dass es wirklich wieder ein Geschenk war, war ich genervt. In dem Moment hörte ich Gott sagen: „Ich mache so lange weiter bis du es annehmen kannst.“ Diese Aussage liess mich stocken. Nach längerem Nachdenken und Reden mit Gott stellte ich fest, dass Versorgung für mich unter die Kategorie „Ich gebe mir ja auch besonders Mühe ein vorbildlich - christliches Leben zu führen“ fiel und ich daher fand, dass ich Anspruch auf Gottes Versorgung habe. Ja ich gebe es zu: Sehr stolz.


Das Problem mit dem Überfluss ist, dass ich das definitiv nicht verdient habe – so viel war mir gleich klar und deswegen hatte ich auch keine Freude daran. Es löste in mir schon fast Stress aus, weil ich dadurch das Gefühl hatte, ich müsse nun beweisen, dass ich das verdient habe...

Einmal mehr musste ich feststellen: Gottes Haltung ist eine ganz andere als meine. Sie heisst nicht: „Sie hat es verdient, deswegen bekommt sie mal wieder eine Motivation.“ Seine Haltung heisst: „Ich liebe dich! Und weil ich dich liebe beschenke ich dich.“ Genau das ist demütigend. Und zwar im eigentlichen Sinne: Es zeigt was ich in Gottes Augen bin. Demut heisst nicht mehr oder weniger über mich zu glauben, als das was Gott sagt. So häufig versteckt sich meine Überheblichkeit und Stolz in so genannter „christlicher Demut.“ Wenn ich Komplimente nicht annehmen kann, dann deswegen, weil ich überzeugt bin, dass ich besser weiss ob ich etwas gut gemacht habe oder nicht.

 

So häufig versteckt sich meine Überheblichkeit und Stolz in so genannter „christlicher Demut.“ Wenn ich Komplimente nicht annehmen kann, dann deswegen, weil ich überzeugt bin, dass ich besser weiss ob ich etwas gut gemacht habe oder nicht.

 

Und leider musste ich feststellen, dass ich diese Überzeugung nicht nur im Bezug auf Menschen sondern auch auf Gott habe. In dem ich seine Geschenke, seinen Überfluss verachte oder sogar ablehne, sage ich ihm damit, dass ich besser weiss, was ich verdient habe und was nicht. Und damit sage ich ihm, dass mein Bild über mich wahrer ist, als seines. Dieser Gedanke ist so ernüchternd!

 

Einmal mehr muss ich feststellen, dass mein Selbstbild noch einiges an Korrektur braucht.  Einmal mehr heisst es Umkehr und Busse über die Gedanken, die ich über mich selber habe. Einmal mehr heisst es Gottes Perspektive als meine Wahrheit anzunehmen.

Und während ich das mache, spüre ich dann gleich auch diesen leisen Widerstand in mir: „Ich will aber gar nicht!“ Und ich frage mich, weshalb es denn so schwierig ist, dass Gott so gut über mich denkt. Und ich merke, dass ich wieder am Punkt bin, dass ich es doch nicht ganz glauben kann, dass diese Geschenke ohne Bedingungen kommen...

Da bleibt mir nur das Gebet: Herr zeige mir noch mehr wer du bist. Verändere mich! Lass mich erkennen, was deine Wahrheit ist. Lass es tief in mein Herz sinken, dass du es gut meinst und dass du mich liebst.

 

Mail an Anja Frei 

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