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Gedanken von Frauen die leiten

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Ich bin fasziniert von der Kunst des Tellerdrehens! Dazu braucht es einen Stab und einen Teller. Der Teller wird an der Stabspitze eingehängt und durch lockeres Kreisen aus dem Handgelenk auf der Stabspitze gedreht. So weit so gut. Einen Teller zu drehen lernt man ziemlich schnell. Profis jedoch können das mit über 10 Tellern gleichzeitig. Die Herausforderung dabei ist, beim jeweiligen Stab zu sein, bevor die Bewegung aufhört und der Teller herunterfällt. Ganz praktisch heisst das, der Tellerdreher rennt die ganze Zeit von einem Stab zum anderen um ein Hinunterfallen zu verhindern.

 

Ich finde das ein hervorragendes Bild für mein Leben. Angefangen hatte es mit einigen wenigen Tellern, die ich mühelos in Schwung hielt. Mit dem ersten Kind wurde es bereits komplizierter. Als das dritte Kind Teil unserer Familie wurde, fühlte es sich definitiv nach mehr als nur drei weiteren Tellern an. Gleichzeitig begann ich in verschiedenen Bereichen mehr Verantwortung zu übernehmen. Leitercoaching, Jugendabende, Inputs, Müttertreffs, Tageskinder… nach und nach vermehrte sich die Anzahl der Teller.

Normalerweise gelingt mir das Kunststück recht gut. Mehr oder weniger souverän jongliere ich die Teller und wenn ich nicht zu viel nachdenke, klappt  das meist reibungslos.

Und dann, wenn ich es am wenigsten erwarte, passiert es. Plötzlich wird mir klar, wie viele Teller ich am drehen halte und mir wird meine Inkompetenz bewusst. Mit dem Jonglieren ist es wie mit dem Autofahren. Solange ich nicht darüber nachdenke, fahre ich fehlerfrei. Sobald ich jedoch beginne zu überlegen, welcher Fuss wann auf welches Pedal drücken muss, werde ich zum Risiko für mich und meine Umgebung. Auf einmal merke ich wie viele Leute mit mir unterwegs sind, für wie viele Frauen ich Vorbild bin und wie sehr ich andere präge. Die Angst zu versagen, Scherben zu hinterlassen, Menschen zu enttäuschen, lähmt mich und ich spüre wie mir die Kontrolle über die Teller entgleitet. Plötzlich habe ich das Gefühl, dass ich es nicht schaffen werde alle Erwartungen zu erfüllen, überall nachzuhaken, zu ermutigen und alles richtig zu machen. Ohne Vorwarnung fehlt mir schlagartig die Leichtigkeit, ohne die das Kunststück unmöglich gelingen kann.

 

Gott sei Dank bin ich mit guten Menschen unterwegs, die mich kennen und die Dinge ins rechte Licht rücken. In Momenten wie diesen erinnern sie mich daran, dass es nicht meine Vorführung und nicht mein Kunststück ist. Ja, es sind nicht mal meine Teller.

Ich darf zwar assistieren aber der grosse Künstler behält die Kontrolle. Gott würde nicht zulassen, dass ein Teller herunterfällt, ohne bereits zu wissen, wie er die Scherben in sein grosses Mosaik fügen wird. Es ist nicht meine Performance, nicht meine Verantwortung und es sind nicht meine Schützlinge.

 

Es ist nicht meine Performance, nicht meine Verantwortung und es sind nicht meine Schützlinge.

 

Er, der mich geschaffen hat, ist sich meiner Grenzen und Schwächen genauso bewusst wie er meine Ressourcen und Stärken kennt. Beides möchte er brauchen um sein Reich zu bauen. Und beides möchte ich ihm zur Verfügung stellen.

Nicht immer gelingt mir das so wie ich es mir wünschen würde. Noch viel zu oft lade ich die Verantwortung für die Teller auf meine Schultern und haste von einem Stab zum anderen.

Immer öfter aber gehe ich damit zu Gott und lasse mir von ihm die Last abnehmen. Denn nur so lebe ich aus der Leichtigkeit die Grundvoraussetzung ist für erfolgreiches Tellerdrehen. 

 

Mail an Lydia Siegenthaler 

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