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Gedanken von Frauen die leiten

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Immer wieder wird mir als Leiterin bewusst, wie wichtig es ist, nicht nur zu leiten, sondern auch zu folgen. In erster Linie zu folgen! Wenn wir das Nachfolgen verlieren, weil wir so beschäftigt sind zu leiten, dann wird uns irgendwann keiner mehr folgen. Außerdem ist es immer wieder notwendig, den gewissen Abstand zu meiner Position zu bekommen und sich selbst zu reflektieren.

Und wo könnte ich mehr über Leitung und Nachfolge lernen als von einem Hirten?

 

Letztes Jahr im Sommer ging also mein Traum in Erfüllung, 24 Stunden mit einem Hirten auf einem rumänischen Berg zu verbringen und zu erleben, wie er mit seinen 400 Schafen umgeht. Nachdem wir zuerst Bibelstellen zu guten und schlechten Hirten gelesen haben (die Bibel benutzt hauptsächlich das Wort Hirte für Leiter im AT und NT), ging es also los.

 

Diese Stunden des Beobachtens, Fragen stellen, der Selbsterfahrung (beim einfachen Übernachten im Schlafsack in freier Natur, keine Toilette zur Verfügung, Versagen beim versuchten Schafmelken etc.) werden mir lange in Erinnerung bleiben. Aber noch mehr als das hoffe ich, dass sie meinen Nachfolge- und  Leitungsstil verändern.

Gespickt von unseren biblischen Erkenntnissen zogen wir als Team los und stellten unsere Fragen: Würde der Hirte einem verlorenen Schaf nachgehen? Hören diese auf seine Stimme? Wie geht man mit dem Tod eines Schafes um? Wie ergeht es einem Hirten in der Einsamkeit der Berge?

 

Während wir mit dem Hirten plauderten, stromerten die Schafe durch die naheliegenden Hügel. Als sie sich entfernten, reichte ein (undefinierbarer) Sound des Hirten, alle 400 Köpfe gingen in die Luft, drehten sich herum und kamen Richtung des Hirten. Unglaublich!

Zweimal pro Tag werden die Schafe gemolken und durchspringen eine kleine Pforte. Der Hirte weiß in Sekunden, welches der 400 Schafe er vor sich hat, ob es krank oder schwanger war. Dann erzählte er uns von dem toten Schaf Lucie (er hat für alle irgendwelche Namen und Zahlen), was sich verirrt hatte und von Wölfen gefressen wurde. Dabei stiegen ihm Tränen in die Augen. Aufgrund von Geldmangel musste er vier Schafe an einen lokalen Schlachter verkaufen. 14 Tage lang ring er mit sich, welches er jetzt nehmen sollte. Es brach ihm das Herz.

Dieser Hirte hat superwenig Abwechslung auf dem Berg. Tagelang sieht er keine Menschen, hat kein großes Entertainment-Programm, sondern ist mit seinen Schafen zusammen. Aber da hört man kein Bedauern und Seufzen, sondern eine wirkliche Liebe und Hingabe an seine Schafe.

 

Dieser Hirte hat superwenig Abwechslung auf dem Berg. Tagelang sieht er keine Menschen, hat kein großes Entertainment-Programm, sondern ist mit seinen Schafen zusammen. Aber da hört man kein Bedauern und Seufzen, sondern eine wirkliche Liebe und Hingabe an seine Schafe.

 

Wenn er Hilfe benötigt, kommt ihn ein Rentner-Hirte zur Seite. Der Übergang von einem alten zu einem neuen Hirten dauert ca. 6 Monate. Der neue oft jüngere Hirte läuft mit dem alten Hirten die ganze Zeit mit und die Schafe gewöhnen sich an seine Stimme. Zur Übergabe übergibt der Hirte seinen Stab an den nächsten.

 

Die Antworten und unsere Beobachtungen bewegten mein Herz und ließen in mir neu den Wunsch wachsen, als geliebtes Kind Gottes (und damit als Schaf) dem Guten Hirten zu folgen, wo auch immer er mich hinführen mag.

In der Zeit der Unsicherheit, die ich gerade durchlebe, und mitten in der Suche nach neuen Verantwortungsbereichen, lasse ich mich erneut auf den Hirten ein und bitte ihn, mir mit Stock und Stab voraus zu gehen.

Zeit, Psalm 23 neu zu lesen und zu durchbeten!  

 

Mail an Evi Rodemann

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