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Gedanken von Frauen die leiten

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Etwas was mich immer wieder fasziniert in Afrika, ist die Fröhlichkeit wie Probleme angegangen werden. Menschen tanzen und singen, während sie protestieren, trauern und zelebrieren. Sie sammeln sich in Gruppen, formieren einen Kreis, halten sich an den Händen und sind laut – so richtig laut!

 

Doch auch in guten Zeiten tönt und sieht es anders aus, als wir es uns gewohnt sind. Wenn wir uns als Familie für ein Picknick niederlassen und neben uns ist eine Gruppe von Afrikaner, dann kannst du sicher sein, dass es laute Musik hat (trotz dem Musikverbot auf der Tafel neben ihnen), dass die Knochen von ihrem saftigen Barbeque Hähnchen ins Gebüsch fliegen (trotz dem Abfallkübel neben ihrem Picknick Platz) und ihr Gelächter meilenweit zu hören ist, während eine laute Gesprächssalve die andere ablöst. Was für sie völlig normal ist, löst bei uns immer noch zwischendurch gemischte Gefühle aus. "Wie können die nur so frei sein", frage wir uns – "so unverschämt frei"?!

 

Normen sollten doch eingehalten werden. Anstandsregeln kultiviert und Lautstärke dem Verhältnis angepasst werden - dies jedenfalls lehrt uns die westliche Anstandskultur. Was bei uns als rebellisch angeschaut wird und unhöflich ist, hat in der afrikanischen Kultur einen anderen Stellenwert. Dort ist Gemeinschaft wichtiger als die Regeln und das Zusammensein wird nicht getrübt von „was andere über uns denken“.

 

Auch wenn ich nicht immer mit allem einverstanden bin (ich bin halt doch zu sehr Europäerin), lerne ich viel von meinen afrikanischen Geschwistern.  Sie sind frei. Frei zu feiern und zu trauern. Frei,  sich selbst zu sein, ihre Gemeinschaft zu lieben und das Leben zu geniessen. Sie zelebrieren sich sogar selbst! Etwas was wir Schweizer auf keinen Fall tun wollen und ehrlich gesagt auch nicht gut können. Wir würden doch sofort in die Schublade „Eitelkeit“ geschoben werden – dies von uns selbst und den Anderen. Jeden Tag, finde ich auf meinen sozialen Medien „Selfies" von meinen afrikanischen Freunden. Sie präsentieren sich und ihr Leben, in verschiedenen Outfits, küssen ihr Spiegelbild und lichten sich in den unmöglichsten (auch nicht immer vorteilhaftesten) Positionen auf den Bildern ab. Bei mir löst dies manchmal Gedanken aus wie; „Die sind ja so was von selbstzentriert“. Doch selbstkritisch betrachtet, sind dies sind keine göttlichen Gedanken, sondern haben ihren Ursprung in meiner Menschenfurcht. Die Afrikaner lieben den Moment des Seins und auch sich selbst - und sind nicht gebunden an die Angst und die Scham, was andere über sie denken.

 

Gott ruft uns in eine neue Freiheit! Durch Jesus kam Gott in diese Welt in einer Art und Weise, die religiöse Erwartungen über Bord warf, Anstandsverhalten hinterfragte und die jüdische Kultur aufs Äusserste strapazierte.

 

Gott ruft uns in eine neue Freiheit! Durch Jesus kam Gott in diese Welt in einer Art und Weise, die religiöse Erwartungen über Bord warf, Anstandsverhalten hinterfragte und die jüdische Kultur aufs Äusserste strapazierte.

 

Wie konnte Jesus nur so unverschämt sein und Frauen und Kinder fördern in einer Zeit als ganz andere Rollenverhältnisse herrschten? Wie konnte er sich mit Ausgestossenen und Sündern abgeben und diese sogar noch ehren? Wie konnte er Füsse waschen, wo es doch klar definierte Grenzen gab, wer und wie man etwas tat? Hatte Jesus wohl auch seine Hähnchenknochen einfach ins Gebüsch geworfen oder die Fischknochen bei der Speisung der 5000? War er auch laut gewesen beim feiern und festen mit seinen Jüngern? Mein Anstandsdenken oder auch meine Kultur, hält mich immer wieder mal zurück, den Jesus zu erfahren den er wirklich war und die Werte zu entdecken die wirklich wichtig sind im Umgang mit den Menschen. 

"Frei sein" – Worte, die für mich eine tiefere Bedeutung bekamen im afrikanischen Kontext, mit andersartiger Ausdrucksweise und Lebensgestaltung.

Ich lernte in den letzten Jahren, die Gemeinschaft und die Menschen wichtiger zu nehmen als meine Bilder und Erwartungen, wie Gemeinschaft auszusehen hat. Auch lernte ich Weisheit von Anstand zu trennen und mich auf holprige Kommunikation einzulassen. Dies veränderte mein Leitungsstil und liess Menschen in meinem Umfeld aufblühen, die übersehen wurden, da sie nicht den Anstand mitbrachten, die unsere westliche Gesellschaft einfordert. Und das Beste und Schönste daran ist, ich realisierte, Gott ist mit ihnen und wirkt durch sie. 

 

"Frei sein" – ich glaube, dies ist mehr als ich intellektuell weiss, mehr als ich vielleicht je erfahren habe und mehr als mein kulturell geprägter Anstand mir zugesteht. Diese demütigende Erkenntnis hilft mir, mich auf dem Weg des „Frei seins“ zu bewegen, zu wachsen und Andere mitzunehmen. 

 

 

 

Doris Lindsay

 

 

 

 

 

 

 

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