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  • Karina Balmer

Die Freundin


Für die nächsten Stunden sitze ich eingeklemmt auf meinem Platz. Die Flugansage läuft, doch ich beachte sie kaum. Erinnerungen und Vorfreude vermischen sich mit Loslassen von Zuhause.

Bereits zum vierten Mal fliege ich nach Bangkok.

In tiefer Weise hat Gott mein Herz berührt für die Frauen und Kinder, die ihren Körper verkaufen, um eine ganze Familie ernähren zu können.

Sie alle könnten meine Töchter sein. Ich habe ihre Augen gesehen, ihre Geschichten gehört, mit ihnen geweint und gelacht, sie in meinen Armen gehalten und sie in ihren armseligen Unterkünften besucht.

Ich versuche eine bequeme Position zu finden und falle in einen unruhigen Schlaf. Wir landen pünktlich und die feuchtheisse Luft erdrückt mich beinahe, es ist Regenzeit.

Die Dusche im Hotel lässt mich den Flug vergessen, die Vorfreude aufs Wiedersehen steigt. Ich treffe die Leiter von Samaritian Creation, im nahegelegenen Einkaufszentrum und erfahre beim Essen die ersten Neuigkeiten. Im letzten halben Jahr gab es so viele Veränderungen, dass es mir beim Zuhören schwer ums Herz wird. Ich bin froh, dass ich etwas später zurück in meinem Hotelzimmer die Türe hinter mir zuschliessen kann. Müde setze ich mich aufs Bett. «Jesus, erbarme dich!» flüstere ich und kann nur noch weinen.

Am darauffolgenden Tag lerne ich eine neue Frau kennen. Ihr Gesicht ist gezeichnet von unendlich viel Leid. Viele Jahre verbrachte sie auf der Strasse, war im Gefängnis und seit ein paar Wochen arbeitet sie nun in der Küche des Ministry Hauses.

Diesmal habe ich Schoggi und kleine Parfums mitgebracht.

Sogleich wird alles ausgepackt und es breitet sich im Raum eine intensive Parfumwolke aus.

Das Gesicht dieser einen neuen Frau werde ich nicht mehr vergessen. Ihre Freude über diese kleinen Geschenke ist so gross, dass ich diejenige bin, die durch ihre Freude am meisten beschenkt wird.

Diese Frauen sind Juwelen, gesucht, gefunden, geliebt.

Ein paar Tage später sitze ich mit einer der Leiterinnen alleine am Tisch. Sie schaut mich mit ihren dunklen Augen fragend an und meint: „Karina, nun bist du zum vierten Mal zurückgekommen? Was ist der Grund dafür?“

Einen kurzen Moment denke ich nach.

Das erste Mal war ich nach Bangkok geflogen, weil ich eine Fürbitte Last für dieses Land bekommen hatte. Beim zweiten Mal hatte ich mit vielen Selbstzweifeln zu kämpfen und aus verschiedenen Gründen dachte ich, ich sei Gottes Plan B.

Meine dritte Reise war ebenfalls mit vielen inneren Kämpfen verbunden. Warum schickt Gott gerade mich? Was kann ich schon ausrichten? Jemand anderes könnte das doch soviel besser…

Während ich noch nach den richtigen Worten suche, höre ich mich sagen: „Ich bin gekommen um deine Freundin zu sein!“

In diesem Moment spüre ich Gottes Liebe für dieses Land, für diese Leiterin und die Menschen wie noch nie zuvor - und tief in meinem Herzen weiss ich, dass ich Gottes Plan A bin, für diese Zeit an diesem Ort.

In diesem Moment spüre ich Gottes Liebe für dieses Land, für diese Leiterin und die Menschen wie noch nie zuvor - und tief in meinem Herzen weiss ich, dass ich Gottes Plan A bin, für diese Zeit an diesem Ort.

Ich bin gekommen um deine Freundin zu sein! Was für ein Unterschied zu: Ich bin gekommen um meinen Dienst zu tun, meinen Auftrag zu erledigen…

Ja, es ist gut. Ich bin gekommen um Freundin zu sein.

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