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  • Doris Lindsay, Co-Leitung HopeTown, Cape Town

Anstrengend




Ich bin nun doch schon seit vielen Jahren im vollzeitlichen Dienst für Jesus unterwegs und realisiere immer und immer wieder, was vollzeitlich unterwegs zu sein eigentlich meint.

In einem Ort wie Ocean View zu dienen, mit der Zielgruppe Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen zu helfen, eine ganzheitliche Missionsarbeit aufzubauen, ein gesundes Team zu leiten, Barmherzigkeit praktisch zu leben und Menschen in ihren Herausforderungen zu begleiten, sind definitiv keine Ferien auf dem Ponyhof. Es ist anstrengend. Ich weiss ich bin am richtigen Ort und dies hilft, schwierige und auch zeitaufwendige Aufgaben anzupacken.


Doch dass ausgerechnet schwierige Ereignisse oft an einem Wochenende, an meinen Freitagen oder in meinen Ferien passieren, geht auch mir manchmal auf die Nerven und machte mich über die Jahre müde.

Da bekomme ich doch tatsächlich diesen unausweichlichen Anruf um 21 Uhr, dass eines meiner Girls keine Bleibe mehr hat und notfallmässig eine Unterkunft braucht – dies während ich gerade mein Pyjama und Finken angezogen hatte und es mir mit einem Buch gemütlich machte. Dies nachdem ich schon einen 10 Stunden Tag hinter mir -und meine Kinder gerade ins Bett gebracht hatte. Oder an einem Sonntagnachmittag bekommen wir den Anruf, dass in unserem Jugendzentrum eingebrochen wurde ,die Scheiben eingeschlagen sind und das Haus ausgeräumt ist. Nun heisst dies für uns, die Polizei, den Glaser und die Versicherungsleute zu informieren, Stunden vor Ort zu sein um weitere Schäden zu verhindern. Oder um noch ein weiteres Beispiel zu nennen... das Wochenende ist verplant, wir wollten einen schönen Ausflug ins Grüne machen und dann kommt die schreckliche Nachricht, dass einer unserer HopeTown Jungs eine Messerstecherei hatte und im Spital ist oder noch schlimmer, am sterben ist, und wir sofort kommen müssen. Nach dem ersten Schock, Trauer wie auch Fürsorge schleicht sich diesen nicht gewollten, und zutiefst sarkastische Gedanken rein: „weshalb sterben die Menschen auch immer an einem Wochenende? Kann das nicht bis Montag warten?“ „Ich bin so müde... wann haben wir eigentlich auch mal frei?“


Ich nehme an, ich bin nicht die erste Missionarin die mit diesen Problemen kämpft und zwischendurch Gewissensbisse hat, da ich ein Bedürfnis nach Erholung habe und auch einfach müde bin von all den "Notfällen" in unserem Ministry. Ich weiss auch, dass wenn wir eine Leitungsaufgabe inne haben und diese ernst nehmen, das Wort "Freizeit" oft ein Fremdwort wird. Doch ist dies wirklich langfristig gesund?


Ich merkte in den letzten Jahren, dass Gott bei mir anklopfte. Da war diese leise Stimme in meinem Herzen die mir sagte, ich müsse mich nicht zu wichtig nehmen und es gäbe auch noch andere Leute die helfen können. Wirklich? Gibt es die? In Notfällen sah ich oft Niemanden..., oder waren die vielleicht einfach etwas langsamer im reagieren und der Job war dann schon von mir erledigt? Diese Stimme erinnerte mich, dass ich nicht retten muss, sondern dass Jesus rettet und ich nur sein Werkzeug bin. Ich hörte diese liebevollen, flüsternde Worte, dass ich langsamer werden darf und nicht immer helfen muss, sondern dass er fähig ist ein Wunder zu tun, das nichts mit mir zu tun hat.


Ich hörte diese liebevollen, flüsternde Worte, dass ich langsamer werden darf und nicht immer helfen muss, sondern dass ER fähig ist ein Wunder zu tun, das nichts mit mir zu tun hat.


Es gab einiges, dass ich neu überdenken musste, vor allem da ich langfristig im Dienst bleiben will und kein Interesse daran habe auszubrennen. Ich hatte zu viele andere Leiter gesehen, denen das nicht gelungen war und die nach ihrem Burnout nur mit Mühe zurück ins Arbeitsleben fanden.

So fragte ich Gott was sich ändern muss. Und er sprach zu mir.

Self Care war die Antwort.

  • Seit einiger Zeit, machen wir mindestens 2 Wochen Ferien im Jahr nur als Familie. Nur wir und keine anderen Menschen. Wir reisen weg und sind nicht erreichbar. Am Anfang hatte ich fast ein schlechtes Gewissen dabei, unterdessen wurde dies zu meiner persönlichen Oase und Energiequelle im Jahr.

  • Ich habe mein Telefon weit weg von meinem Bett und checke meine Nachrichten erst nach meiner stillen Zeit am Morgen. Dies hilft mir zu entspannen und meine Ruhezeit ernst zu nehmen.

  • Ich versuche bei einem Notfall zuerst zu beten und etwas abzuwarten. Dies hilft mir meine Gedanken zu bündeln, mein Team zu aktivieren und Gott Raum zu geben um mich mit Weisheit zu füllen.

  • Ich schätze und ehre den Sabbat und machte ihn zur Priorität. Der ist nicht immer am Sonntag für mich, sondern manchmal auch am Samstag. Doch ich schaue so gut es geht, dass ich einen Tag pro Woche frei habe und etwas tue das mir mir und meiner Familie gut tut. Das kann auch sein, dass ich den ganzen Tag auf dem Tennisplatz abhänge da meine Kinder Turniere spielen. Doch es hilft mir zu wissen, ich bin einfach da – im hier und jetzt, ohne Arbeits-Pendenzen und ich muss nicht alles für alle sein.

Natürlich kommt es immer wieder mal vor, dass ich noch springen muss oder dass eine Beerdigung oder ein Notfall gerade an meinem Freitag statt findet. Doch weil ich mich nicht mehr so wichtig nehme, und ich nicht mehr alles tue was manchmal von mir erwartet wird, hat der Druck abgenommen.

Ich darf meine Grenzen kennen, darf mich erholen und die Lasten teilen.



Doris Lindsay gründete und leitet das sozial-diakonische Missionswerk "HopeTown" in Kapstadt, das gefährdeten Jugendlichen eine Heimat und Sinn gibt. Sie ist verheiratet mit Stefano (einem Irländer) und gemeinsam erziehen sie drei Teenager. Sie liebt Pionierprojekte, kreative Orte, Menschen und die Natur. Ein Besuch auf einem Flohmarkt ist ein Highlight für sie und sie findet da immer ein Schnäppchen für ihr schönes Zuhause.


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