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  • Katharina Bänziger

Fussspuren im Schnee



Ich liebe es, in Ferien und an Wochenenden wach zu sein, wenn der Rest der Familie noch schläft. Wenn es draussen hell ist, zieht es mich an den kleinen Fluss am Ende unserer Strasse. Heute, am ersten Tag des neuen Jahres, ist wieder so ein Morgen, wo alle noch schlafen und mir auch beim Laufen niemand begegnet. In der dünnen Schneeschicht hat es bereits wenige Fussspuren und Pfotenabdrücke und ich versuche, meine Schritte so zu setzten, dass ich einen eigenen, frischen Fussabdruck hinterlassen kann – einfach, weil es dann so schön knirscht und ich beim Rückweg meine Spuren wieder sehen kann.


Das Profil meiner Winterschuhe hebt sich deutlich vom Schnee ab und meine Gedanken wandern vom frisch verschneiten Trampelpfad zu den Spuren, die ich in Menschenleben hinterlasse. Am Silvesterabend haben wir als Familie das alte Jahr abgeschlossen und es Gott zurückgegeben, ihm gedankt für das Schöne und uns gegenseitig um Vergebung gebeten, wo wir uns verletzt haben. Ja, ich hinterlasse bei meinen Kindern und Teenagern nicht nur Spuren, die mir gefallen. Und das liegt nicht allein an dem «schwierigen Alter», in dem ich aus Sicht unserer Teenager gerade bin. Wie oft mache ich Druck und verbreite Stress, wenn es mir nicht schnell und effizient genug voran geht. Wie oft bin ich ungeduldig, wenn man mich warten lässt oder zeige meine Enttäuschung, wenn ein Familienmitglied seine Verantwortung nicht wahrgenommen oder eine Abmachung nicht eingehalten hat.


Nicht alle Spuren meines Lebens sind so schön, dass ich sie bleibend anschauen will, sowohl in der Familie, als auch bei den Menschen, die sich meiner Leiterschaft anvertrauen. Nicht immer ist mein Herz so weich und mitfühlend, wie ich es gerne hätte. Es tut mir gut, mich wieder zu fragen: Welchen Abdruck möchte ich hinterlassen? Wo darf Jesus noch mehr an meinen Ecken und Kanten schleifen und sich in mich hineinprägen, so dass in den Spuren meines Lebens sein Wesen und sein Charakter sichtbar wird?


Es tut mir gut, mich wieder zu fragen: Welchen Abdruck möchte ich hinterlassen? Wo darf Jesus noch mehr an meinen Ecken und Kanten schleifen und sich in mich hineinprägen, so dass in den Spuren meines Lebens sein Wesen und sein Charakter sichtbar wird?


Beim Gehen durch den Schnee erinnere ich mich, wie froh ich in tiefem Schnee um bereits vorhandene Fussstapfen bin! Da muss ich keinen Weg suchen, nicht tief versinken, sondern kann auf bereits gebahnten Wegen weitergehen. Wie dankbar bin ich für die Menschen, Väter und Mütter, treue Freunde und Weggefährten, die ihre Spuren in meinem Leben hinterlassen haben. Wie oft darf ich in meiner Leiterschaft anderen hinterhergehen und mir Rat und Ermutigung holen bei denen, die schon ähnliche Wege gegangen sind.


Zurück von meinem einsamen Neujahrsspaziergang und gewärmt von einer heissen Tasse Tee, habe ich Folgendes in mein Tagebuch geschrieben: «Ich bin dankbar für die Spuren, die andere in meinem Leben hinterlassen haben; für die Spuren, in denen ich weiterlaufen darf! Dankbar, dass es immer einen Weg gibt. Und wenn ihn noch kein Mensch vor mir gegangen ist, kennt Jesus ihn doch und ist ihn schon gegangen.» Das macht mir Mut zum Weitergehen und das macht die Last der Verantwortung tragbar, auch für die neuen, unbekannten und noch nie begangenen Wegen des Neuen Jahres.


Katharina Bänziger, Mutter von drei Söhnen und einer Tochter zwischen 15 und 6 Jahren, ist evangelische Pfarrerin und Teil des Leitungsteams der Stiftung Schleife in Winterthur.


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