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  • Daniela Tembo

Mutig zurück



Ist es das Alter was uns weise macht oder die Größe Gottes, die uns schenkt was wir für unsere Berufung brauchen?

Als Gott vor vielen Jahren durch 1. Könige 3, 6 – 14 zu mir sprach, war ich überrascht und zunächst ein bisschen ängstlich. Denn schließlich war ich zu dem Zeitpunkt, so wie Samuel, noch relativ jung und unerfahren. Aber irgendwie machte sich durch Gottes Wort auch Ermutigung in meinem Herzen breit. Denn wenn dieser Gott mit

mir ist, wer würde dann gegen mich sein. Und so kam es, dass ich tatsächlich in meinen Mittzwanzigern eine Leitungsfunktion übernahm und für 50 Mitarbeiter die Verantwortung trug. Damals wusste ich nicht, dass dieses anfängliche "Hoch" auch lange Durststrecken, Überforderung und Einsamkeit mit sich brachte. Aber ich folgte diesem Gott, dem ich mehr zutraute als mir selbst. Und das war gut so.


In meinen ersten Jahren als Pflegedienstleiterin war ich erfolgreich und anerkannt. Ich hatte erreicht was ich erreichen wollte. Meine Mitarbeiter schätzten mich, ich trug Verantwortung für jung und alt und arbeitete mich schnell in neue Tätigkeitsfelder ein. Es machte mir Spaß “an der Front” zu stehen. Ich schätzte die Aufmerksamkeit und die Überraschung, die viele hatten, wenn sie mich nach einem professionellen Telefongespräch persönlich sahen und in meiner Anwesenheit kurz schluckten und verstanden, dass ich es war mit welcher sie telefoniert hatten. Ich sah nicht nur jung aus, sondern ich war es auch. Aber ich war professionell. Meine Erfahrung bereicherte meinen Wortschatz und weitete meine Tätigkeitsfelder aus. Selbst im vorerst kurzen “Schockmodus” für viele Mitarbeiter, Angehörigen und Leitungskollegen konnte ich am Ende immer überzeugen.

Meine Arbeit kostete mich Kraft und Energie. Für Privates blieb nicht mehr viel Zeit. Denn am Ende wollte ich nicht nur funktionieren, sondern auch die perfekte Leitung zum Ausdruck bringen. Herausforderungen kamen und gingen, ich bewältigte sie und wuchs daran. Aber je mehr ich an diesen wuchs, desto weniger Zeit hatte ich am Ende für mich selbst. Zum Durchatmen. Zum Auftanken. Zum Ruhe finden.


Meine Arbeitstage waren lang, alles musste passen. Meine private Zeit kam nach meiner Arbeit. Denn zuallererst wollte ich gefallen und Anerkennung erhalten - und dafür kämpfte ich hart. Als es in meinem privaten Leben zu schwerwiegenden Entscheidungen kam brach ich zusammen. BurnOut. Es war zu viel. Das zu viel für andere wurde zum zu wenig für mich und brachte mich an den Punkt der völligen Ermüdung. Und von einem Tag auf den anderen war ich raus. Raus aus einer herausfordernden Arbeit an der ich wachsen wollte, raus aus Anerkennung und Wertschätzung, raus aus der äußerlichen Perfektion und raus aus dem Leben welches ich mir erträumt hatte. Es war dramatisch. Verändernd. Schmerzhaft und hoffnungsvoll zugleich.

Gott sprach durch Römer 8,28: Alles dient zum Besten, denen die Gott lieben. Denn sie leben in Übereinstimmung mit seinem Plan. Ich nahm mir eine Auszeit, veränderte mein Lebensstil. Alles wurde ruhiger und meine Leitungsfunktion legte ich ad acta. In langen Wüstenzeiten wurde es still. Schmerzhaft still. Oft planlos und überfordert saß ich da. Wusste nicht wie es weitergeht. Ich hatte den Eindruck ich habe versagt. Ich wollte nicht mehr. Am Ende schloss ich ab. Mit der Funktion als Leitung. Mit dem Wunsch es allen recht machen zu wollen und mit dem perfektionistischen Denken.

Viele Gespräche, Gebete und Gedanken brachten mich aber immer wieder zu dem Ruf zurück. Zu den Worten, die Gott damals in meinem WG Zimmer zu mir gesprochen hat. Aber ich wollte nicht zurück in die Leitung im Pflegesektor und trotzdem wollte ich meinen Ruf aber auch nicht unbenutzt lassen. Ich wollte Gott dienen. Ich wünschte mir wieder dem zu folgen, der den Wunsch in mein Herz gelegt hat. Der mir das Privileg gibt in seinen Wegen zu laufen. Ich wollte darauf vertrauen und akzeptieren, dass Gott etwas in mir sieht, dass ich noch gar nicht überblicken kann.


Ich wollte darauf vertrauen und akzeptieren, dass Gott etwas in mir sieht, dass ich noch gar nicht überblicken kann.


Mit diesem Wissen kam mein Herz zur Ruhe. Denn es stimmt. Ich muss nicht genau wissen wie es am Ende alles funktionieren wird. Ich darf planen und Wege gehen und ich darf darauf vertrauen, dass Gott die Fäden in die Hand nimmt und sie leitet. Und mit diesem Wissen und Gewissen entscheide ich mich gerne zurück in mein Leben als Führungskraft.


Daniela Tembo lebt mit ihrem Mann und 2 kleinen Kindern zwischen Deutschland, Malawi und Südafrika. Als Kaffeeliebhaber und Jesuslover haben sie die Vision Kaffee, Kirche, Kultur und Kunst zu verbinden. Auf ihrem Lovestory Coffee Estate in Malawi pflanzen sie ihren Kaffee selbst an und importieren diesen in alle Welt.

Daniela liebt es Frauen zu ermutigen und ihnen Schritte zu zeigen, das von Gott geschenkte Potenzial zum Entfalten zu bringen.