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Gedanken von Frauen die leiten

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Wie wird Leiterschaft definiert? 

Woran messe ich, ob ich eine Leiterin bin? Ist es der Name der Firma, Gemeinde oder Gruppierung, der ich vorstehe? Oder die Stufe in der Hierarchie, die ich innehabe? Ich tendiere immer wieder dazu, die Definition von Leiterschaft an äusseren Merkmalen und Funktionen festzumachen.  Und genau dabei stolpere ich in meiner eigenen Biographie, weil es zwar wechselnde Verantwortungen gab, aber kaum solche, die mir zu einer leicht zu kommunizierenden Bezeichnung verholfen hätten.

 

Ich habe in den vergangenen Jahrzehnten punktuell Teams und Gruppen geleitet, war einige Jahre ehrenamtlich in einer Gemeindeleitung engagiert und habe auf Konferenzen leitende Funktionen vor grossem Publikum wahrgenommen. Als Mitarbeiterin von Campus für Christus habe ich in zig Settings Schulungen im In- und Ausland gegeben, ohne dafür im internen Organigramm ein Kästchen zu füllen. Ich schreibe regelmässig für eine breite Leserschaft Artikel und stehe in Kontakt zu vielen Menschen, auf deren Leben ich Einfluss nehmen darf. All das könnte man sehr wohl mit Leiten bezeichnen, doch ein knackiger Titel dafür fehlt mir. Die einzige „Firma“, die ich konstant verantwortet habe, ist unsere Familie, doch sogar hier war es immer eine Teamleitung zusammen mit meinem Mann. 

 

Ich komme mit der gängigen Vorstellung, was eine Leiterin ausmacht, nicht vom Fleck. Umso kostbarer ist mir eine Definition, die ich vor über zwanzig Jahren bei Robert Clinton, einem Professor für Leiterschaft, kennengelernt habe. Ich wusste damals intuitiv, als noch kinderlose Frau, dass ich mit diesem Blick auf die Leiterschaftsentwicklung auch als Mutter voll dabeibleiben kann. Er betont drei Dinge: Erstens ist eine Leiterin von Gott eingesetzt, zweitens verantwortet Gott ihr eine bestimmte Gruppe von Menschen an und drittens soll sie diese Menschen entsprechend den Zielen, die Gott für sie hat, beeinflussen. Das liess sich in praktisch allen Settings anwenden, auch in den Lebensphasen, in denen mein Radius mit den kleinen Kindern noch begrenzt war. Mehr noch: Gerade weil ich nicht unendlich viel Zeit und Kraft hatte, neben der Familie noch Aufgaben wahrzunehmen, habe ich gelernt, in allen drei Bereichen gut hinzuhören. Von Gott eingesetzt: Das heisst, ich nehme mein Mandat vom Himmel her an, sage nicht überall Ja, lasse mich nicht von fremden Bedürfnissen oder eigenem Ehrgeiz steuern. Vielmehr bin ich Gott gegenüber verantwortlich, das umzusetzen, was er mir aufträgt. Das bedingt, dass ich eine lebendige Spiritualität pflege, seine Stimme hören kann und mich selbst und meine Schlagseiten und Versuchungen kenne.

 

Manchmal waren diese göttlichen Mandate winzig klein, unscheinbar und es brauchte Demut, mich ganzherzig darauf einzulassen. Manchmal waren die Mandate für meine Vorstellungen atemberaubend gross und überfordernd und es brauchte genauso viel Demut, mich darauf einzulassen.

 

Die Zielgruppe, für die mir Gott Verantwortung überträgt, ist ebenfalls klar umrissen, sowohl was die Grösse als auch die Personen anbelangt. Hier haben sich über die Jahre Spezialitäten bei mir herausgebildet – ich arbeite gerne mit Frauen und Paaren und mag ganz kleine Einheiten oder dann so richtig grosse Gruppen. Die eigenen Kinder habe ich immer als prioritär dazugezählt. Als drittes dann hat der Auftrag einen definierten Inhalt. Gott gibt die Zielvorgabe. Manchmal ist es lediglich ein Zwischenziel, für das ich verantwortlich bin, manchmal ist es die lange Strecke, die ich mit den betreffenden Zielpersonen gehen soll. Gott koordiniert die Aufgaben so, dass sie zu meinem Gabenprofil passen.

Mit dieser Definition habe ich durchwegs gute Erfahrungen gemacht und unglaublich viele verschiedenartige Erfahrungen sammeln können. Weil ich den Aufgabenmix immer als vom Himmel für mich zusammengestellt angeschaut habe, sehe ich ein Kontinuum, obschon sich das nicht mit einer herkömmlichen Karriereleiter vergleichen lässt. Für mein Frausein hat das viel entspannte Gelassenheit bei gleichzeitiger Zielorientierung ermöglicht –genau das, was ich mir für mein Leben wünsche!

 

Mail an Sabine Fürbringer 

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